Die Sepsis wird mich mein Leben lang nicht loslassen

Am 28. und 29. Mai 2010 nahmen mehr als 800 Sportler an einer Langstreckenwanderung über 100 km teil, der 25. "Horizontale – Rund um Jena“. Junge Wissenschaftler aus dem Universitätsklinikum Jena haben dieses sportliche Ereignis genutzt, und mit ihrem Einsatz 920 Euro für die Sepsisforschung eingeworben.

Matthias_Gaipl_Horizontale

Ein Lauf von 100 Kilometer Länge ist eine starke Leistung! Noch besser, wenn das Ziel nicht rein persönlicher Natur ist, sondern einem guten Zweck dient. Fünfzehn Medizinstudenten und Doktoranden des Universitätsklinikums Jena haben sich am letzten Maiwochenende an der jährlich stattfindenden 24-Stunden-Wanderung um Jena beteiligt. Sie wollten damit auf eine Erkrankung hinweisen, die im Bewusstsein der Bevölkerung kaum eine Rolle spielt: Sepsis. Durch ihren Einsatz konnten die jungen Forscher Spenden in Höhe von 920 Euro für die Deutsche Sepsis Hilfe e.V. "erlaufen". Das Beste daran: Sieger dieses Marathons, an dem etwa 800 Lauflustige teilnahmen, wurde Matthias Gaipl, einer der Doktoranden! Er war auch gleichzeitig der Initiator für eine engagierte Gruppe, die unter dem Motto "Sepsis runs public" öffentlichkeitswirksam auf diese Erkrankung aufmerksam machen wollten. Wir sprechen mit dem jungen Sepsisforscher über seine Beweggründe und Pläne.

Matthias Gaipl nach der Horizontale 2010
Foto: Gaipl

Wie kam es zur Aktion "Sepsis runs public"?

Eigentlich hatte ich mich sowieso für den Lauf angemeldet. Er findet ja jedes Jahr statt. Das habe ich meinen Kollegen im Labor für Experimentelle Anästhesie erzählt. Mein Chef, PD Dr. Ralf Claus fragte dann, ob ich das Ganze nicht mit einem guten Zweck verbinden und mit meiner Teilnahme auf die Sepsisforschung aufmerksam machen möchte. Das fand ich eine Super-Idee und habe gleich mein Netzwerk aktiviert und insgesamt 15 Leute zusammen getrommelt, alles Medizinstudenten oder Doktoranden. Wir haben Poster und Flyer in Arztpraxen und Apotheken ausgelegt und so auf das Thema aufmerksam gemacht. Und es hat ja auch geholfen, wie die Menge an eingeworbenen Spenden zeigt.

100 Km Laufen - Warum tut man sich so etwas an?

Das ist halt so im Sport. Da packt einen der Ehrgeiz. Ohne den geht es nicht. 2006 habe ich diesen Lauf schon einmal mitgemacht. Damals bin ich nur Zweiter geworden. Ich wollte halt unbedingt gewinnen! Da juckt's einen, wieder dabei zu sein. Eine außergewöhnliche Belastung ist das schon. Man schafft so einen Kraftakt nur mit Training, Ehrgeiz und viel Disziplin. Ich habe bis zu fünfmal die Woche trainiert. Man lernt die eigenen Grenzen der Belastung kennen und den Wunsch, sie immer weiter auszudehnen. Dabei spielt sich ganz viel im Kopf ab.

Hatten Sie zwischendurch das Gefühl aufgeben zu wollen?

Na ja, eigentlich nicht. Natürlich stand ich auch unter einem gewissen Druck, weil ich ja für die Deutsche Sepsis Hilfe unterwegs war. Das hat nicht nur beim Durchhalten geholfen, es hat mich eher noch schneller werden lassen. Wenn in der Reihenfolge der Läufer auf der Ergebnisliste die Deutsche Sepsishilfe auch eine prominente Rolle spielt, dann ist doch viel für die Öffentlichkeitsarbeit gewonnen, oder?!

Wie kann man das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Erkrankung Sepsis fördern?

Solche bedeutenden sportlichen Ereignisse mit der Sensibilisierung für ein Thema zu verknüpfen ist eine sehr gute Möglichkeit der Öffentlichkeitsarbeit. So etwas bringt jede Menge Medienecho. Außerdem sind ja viele Familien durch die Erkrankung eines Familienangehörigen betroffen. So etwas spricht sich dann langsam rum. Den fachlichen Hintergrund sollten Informationsveranstaltungen des Universitätsklinikums vermitteln.

Und Ihre nächsten Pläne?

Jetzt muss ich erst einmal meine Doktorarbeit zum Thema "Septisches Leberversagen" zum Ende bringen. Das ist auch so eine Art Marathon für mich. Manchmal würde ich statt dessen lieber noch einmal die 100 Kilometer laufen... Für meine Doktorarbeit brauche ich ebenso viel Disziplin wie für die große sportliche Herausforderung. Wenn ich den Abschluss in der Tasche habe, möchte ich gerne als Internist intensivmedizinisch tätig sein. Auch da werde ich die Nähe zum Thema behalten. Ich glaube, die Sepsis wird mich ein Leben lang nicht loslassen, da steckt noch viel Potenzial drin!