Erneuter Erfolg für Jenaer Sepsis-Experten

Universitätsmediziner wollen Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum aufbauen

Jena. Mit ihrem Konzept für ein "Jena Sepsis Center" konnten Mediziner des Jenaer Universitätsklinikums das Bundesministerium für Bildung und Forschung überzeugen. Neben Jena erhalten vier weitere Universitätsklinika jetzt die Gelegenheit, ihre Vorhaben für die Einrichtung von krankheitsbezogenen Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren auszuarbeiten. Im Fall einer positiven Begutachtung im nächsten Jahr können die Zentren fünf Jahre lang mit jeweils bis zu 25 Millionen Euro gefördert werden.

"Wir wollen völlig neue interdisziplinäre Strukturen für die Erforschung und die Behandlung der Sepsis schaffen. Es geht nicht nur um eine bessere Akutbehandlung, sondern um Prävention, verbesserte Früherkennung und vor allem um die Behandlung der Folgeschäden, über die bislang noch wenig bekannt ist", beschreibt der renommierte Sepsis-Experte Prof. Dr. Konrad Reinhart, Leiter der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, das Ziel des Zentrums. Neben Intensivmedizinern werden sich unter anderem Internisten, Neurologen, Kinderärzte, Chirurgen, Genetiker, Psychologen, Allgemeinmediziner, Laboratoriumsmediziner und Mikrobiologen des Universitätsklinikums am "Jena Sepsis Center" beteiligen. Partner sind auch Infektionsbiologen vom Jenaer Hans-Knöll-Institut.

Sepsis ist eine durch Bakterien oder Pilze ausgelöste schwere Infektion, die den gesamten Körper erfasst. Die umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichnete Erkrankung wird häufig unterschätzt, allein in Deutschland sterben täglich etwa 140 Menschen an ihren Folgen. Die Kosten für die Akutbehandlung belaufen sich jährlich auf 1,7 Mrd. Euro.

Die Ursachen dafür, dass die Sepsis ein so gewaltiges medizinisches Problem darstellt, sind vielfältig. Mit der immer älter werdenden Bevölkerung und der steigenden Invasivität der modernen Hochleistungsmedizin wächst die Zahl der Sepsis- erkrankungen. Aber auch strukturelle Defizite tragen zur Größe des Problems "Sepsis" bei.

Hier setzt das Konzept des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums für Sepsis und Sepsisfolgen an. Im Zentrum sollen die Intensivstationen der beteiligten Kliniken vereint werden, so dass die interdisziplinäre Behandlung der Sepsis, die in fast allen medizinischen Bereichen vorkommen kann, garantiert ist.

Die Forschung zur Diagnostik und Therapie der Sepsis wird ein Schwerpunkt am "Jena Sepsis Center" sein. Zusätzlich zum Zentrum für Innovationskompetenz "Septomics", das zur Zeit aufgebaut wird, werden weitere Gruppen in der patientenorientierten Sepsisforschung arbeiten. Ihnen werden zentrale Einrichtungen wie eine Managementeinheit für klinische Studien, eine Biobank und ein Sepsisdatenzentrum zu Verfügung stehen. Mit Forschungsprofessuren und speziellen Qualifizierungs- programmen für Studenten, Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler will das Zentrum Karriereperspektiven für klinische Forscher bieten.

In einem "Aktionsbündnis Sepsis" wird das Zentrum mit Krankenhäusern, Reha-Kliniken und niedergelassenen Ärzten der Region sowie mit Vertretern von Kostenträgern und Gesundheitspolitik zusammenarbeiten, um Früherkennung und Versorgung zu verbessern und Nachsorgekonzepte zu entwickeln. Geplant ist auch die Einrichtung einer Post-Sepsis-Ambulanz.

Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum soll als eigenständiges, direkt der Medizinischen Fakultät unterstelltes Institut geschaffen werden. "Das Zentrum überwindet traditionelle Fächergrenzen und eröffnet so neue Möglichkeiten der engen Verknüpfung von Forschung und Patientenversorgung, es wird das Universitätsklinikum in hohem Maße prägen", sagt Prof. Dr. Klaus Benndorf, Dekan der Medizinischen Fakultät und Wissenschaftlicher Vorstand des Jenaer Universitätsklinikums.