Jena erhält Zentrum zur Sepsisforschung

"Septomics" will Sterblichkeit, Häufigkeit und Behandlungskosten der Sepsis senken

Jena. Jenaer Wissenschaftler erhielten heute den Zuschlag für die Einrichtung eines Zentrums zur integrativen Sepsisforschung. Im Rahmen des Programms "Exzellenz schaffen - Talente sichern" fördert das Bundesforschungsministerium das neue Kompetenzzentrum mit 15 Millionen Euro. Entstehen soll eine weltweit einmalige interdisziplinäre Forschungseinrichtung an der Friedrich-Schiller-Universität, an der die molekularbiologischen und klinischen Aspekte der Sepsis untersucht werden. Ziel ist die Entwicklung neuartiger Diagnose- und Therapieverfahren in einem integrativen Forschungsansatz. Das "Septomics" genannte Zentrum wird von Wissenschaftlern der Universität Jena, des Jenaer Universitätsklinikums und des Hans-Knöll-Instituts aufgebaut. Das Land Thüringen unterstützt das Projekt mit der Finanzierung eines Neubaus und einer Forschergruppe. Das Zentrum wird im nächsten Jahr seine Arbeit aufnehmen.

Warum ist ein Zentrum zur integrierten Sepsisforschung in Deutschland notwendig und warum sollte es in Jena aufgebaut werden? Diese Fragen können Konrad Reinhart, Eberhard Straube und Axel Brakhage überzeugend beantworten. Der Intensivmediziner Reinhart erlebt im Klinikalltag, mit welcher Stärke eine Sepsis zuschlägt, allein in Deutschland sterben daran täglich etwa 140 Menschen. Über den Behandlungserfolg entscheidet, wie schnell die Infektion erkannt wird und ob die eingesetzten Antibiotika den Erreger wirksam treffen. "Wir brauchen völlig neue Diagnoseverfahren und Therapeutika für die Sepsis", fasst der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Jenaer Uniklinikum das Ziel von Septomics zusammen. In der bisherigen Sepsisforschung war die Untersuchung der Erreger weitgehend getrennt von den Forschungen zur Abwehrreaktion des infizierten Menschen. "Wir bringen beide Aspekte zusammen und verknüpfen Grundlagen- mit klinischer Forschung auf das Engste", so Reinhart, der bereits das bundesweite Kompetenznetzwerk "Sepnet" mit aufgebaut hat. Wie in vorherigen Sepsis-Studien ist auch bei "Septomics" das Institut für Medizinische Mikrobiologie des Uniklinikums beteiligt. "Mit Erfindungen zum molekularen Nachweis von Sepsiserregern haben wir wichtige Vorarbeiten geleistet und werden die neuen Ansätze zur mikrobiologischen Diagnostik aus dem Zentrum in der Praxis erproben", so der Direktor des Instituts Eberhard Straube.

"Septomics"-Partner sind die Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Hans-Knöll-Institut). Dort widmet man sich vorrangig Pilzen und deren Stoffwechselprodukten. Besonderes Interesse gilt dabei dem eigentlich harmlosen Hefepilz Candida albicans. "Wie und unter welchen Bedingungen er sich in einen aggressiven Infektionserreger verwandelt, beginnen wir gerade erst zu verstehen", beschreibt Institutsdirektor Axel Brakhage einen der Forschungsschwerpunkte bei "Septomics". Die Ergebnisse der Grundlagenforschung im Labor sollen nach klinischen Tests schnell in anwendbare Produkte münden, deshalb wird das Innovationszentrum eng mit Jenaer Biotechnologiefirmen, insbesondere aus dem BioInstrumenteZentrum, zusammenarbeiten.

Jetzt beginnt die Ausschreibungsphase, um exzellente Nachwuchsforscher für "Septomics" in Jena zu gewinnen. Für exzellente Arbeitsbedingungen setzt sich auch der Freistaat Thüringen ein. "Mit seiner Zusage für einen Laborneubau und der Finanzierung einer Arbeitsgruppe hat das Kultusministerium wesentlich zum Gelingen unserer Initiative beigetragen", sagte Uni-Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke.

Das neu zu errichtende Sepsiszentrum stellt nicht nur einen Forschungsschwerpunkt am Universitätsklinikum dar, betont der Dekan der medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Klaus Benndorf. "Durch die Einbindung in den neuen Studiengang Molekulare Medizin, die Betreuung von Doktoranden und die Ausbildung von klinischem Studienpersonal wird es neben der Forschung auch den Lehrbetrieb bereichern."