Hintergrund

Sepsis und septischer Schock sind die Haupttodesursachen auf nicht-kardiologischen Intensivstationen. In den USA versterben nach Angaben des Center of Disease Control ca. 200.000 Menschen jährlich an den Folgen einer Sepsis, vergleichbar der Sterblichkeit bei akutem Herzinfarkt. Die Prävalenz der Sepsis in den USA wird auf ca. 600.000 pro Jahr geschätzt. Mit einer Inzidenz von ca. 300 auf 100.000 Einwohner ist die Sepsis eine häufigere Erkrankung als der Darmkrebs (50/100.000), der Brustkrebs (110/100.000) oder AIDS (17/100.000). Die geschätzten Krankenhauskosten betragen ca. 17 Milliarden Dollar.

Im Kontrast zur großen gesundheitsökonomischen Bedeutung steht in Deutschland das Fehlen valider epidemiologischer Daten zur Inzidenz, Prävalenz, Letalität und Verlauf der Sepsis. Die Sepsis ist für viele medizinische Fachgesellschaften ein relevantes Problem, sie wird jedoch von keiner Disziplin als Schwerpunktaufgabe begriffen. Sepsis ist in den Curricula für die studentische Ausbildung sowie Fort- und Weiterbildung unterrepräsentiert. Dabei ist die Sepsis von hoher medizinischer Bedeutung, weil sie vielfach die Behandlungserfolge der modernen Medizin gefährdet. Ihre Inzidenz steigt, weil der medizinische Fortschritt in vielen Bereichen mit einer Zunahme der Invasivität diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen und der Notwendigkeit von Intensivtherapie einhergeht.

Die Sepsis ist ein komplexes Krankheitsgeschehen, das Verständnis der Pathophysiologie hat sich erheblich verändert. Die Therapie der Sepsis und des septischen Schocks ist aufwendig, hat jedoch in den letzten Jahren kaum Fortschritte gemacht. Erst in jüngster Zeit zeichnen sich Behandlungsfortschritte ab. Das bisherige Scheitern neuer immunmodulatorischer Ansätze ist eng mit Defiziten einer differenzierten Diagnosemöglichkeit verbunden.

Um im Verständnis, in der Behandlung der Sepsis und vor allem der Sichtbarmachung dieses Krankheitsbildes in der Öffentlichkeit weiterzukommen, ist eine Bündelung von Aktivitäten notwendig.